In: AKTUELL
11. Nov 2009
Warum nur scheidet ein 32-Jähriger, ein Millionär, der Vater einer 8-monatigen Tochter aus dem Leben, indem er sich an einem kalten Novemberabend vor einen Zug wirft? Es ist sicher einfach, an dieser Stelle Fernsehmachern Ratschläge für die Programmplanung zu geben, doch es ist ungleich schwerer, einem Menschen Ratschläge für dessen Leben zu erteilen und in das tiefste Innere seines Seins zu blicken. Der Tod Robert Enkes führt uns vor Augen, wie irritiert, verunsichert und ausweglos sich Menschen fühlen können, die – oberflächlich betrachtet – doch eigentlich glücklich sein müssten.
Sicher: Enke musste in seinem Leben und seiner Karriere viele Rückschläge verkraften, musste zuletzt um seinen Platz im Tor der Fußball-Nationalmannschaft bangen. Und doch: An Spekulationen sollte man sich nicht beteiligen und erst recht darauf verzichten, über die sehr persönliche Entscheidung des Todes zu urteilen. Dass es “bessere” Wege gibt, aus dem Leben zu scheiden, ist unbestritten – denn mir tun nicht zuletzt auch diejenigen leid, die Enke am Dienstag von den Gleisen bergen mussten, aber auch der Zugführer, der nun wohl erst mal lernen muss, mit der schrecklichen Erfahrung umzugehen. Es ist letztlich eine Tragödie, die man kaum in Worte fassen kann.
Was mir persönlich in Erinnerung geblieben ist, ist die Aussage eines Sky-Kommentators beim Spiel HSV-Hannover vom vergangenen Wochenende, dem letzten Spiel Robert Enkes. Die Situation: Ein Spieler ging Enke an, doch der blieb völlig ruhig – der Reporter sprach sinngemäß von der “inneren Ruhe”, die Enke stets ausstrahle und konnte nur mutmaßen, wie einer wie Jens Lehmann wohl in dieser Situation reagiert hätte.
Mein Name ist Alexander Krei. Ich schreibe für das Medienmagazin DWDL.de. Doch nicht nur Fernsehen interessiert mich - ich studiere unter anderem Deutsch und Politik. Einen kleinen Einblick soll dieser Blog bieten.
1 Reaktion zu Robert Enke
Martin
11. November 2009 am 12:18
Bei bisher allen Betrachtungen wurde noch nie erwähnt, ob Enke nicht an Depressionen gelitten hat. Dies würde vieles erklären – auch, wieso er das seiner Familie antut. Bei Depressionen handelt man nicht mehr logisch.
Aber wie auch immer: es ist und bleibt tragisch.