Die Art und Weise, wie die Politik mit Nikolaus Brender umgegangen ist, war sicherlich schäbig. Fraglich ist aber auch, ob die Äußerungen des scheidenden ZDF-Chefredakteurs, der sich in diesem Jahr wohl mit zahlreichen Journalisten-Preisen geehrt fühlen wird, am vergangenen Wochenende wirklich nötig waren. Wie dem auch sei: Ganz aus der Luft gegriffen dürften sie nicht sein.
Im “Spiegel” sprach Brender von “Inoffiziellen Mitarbeitern” der Parteien, “wirklich vergleichbar mit den IM der DDR”. Es sei ein “feingesponnenes Netz von Abhängigkeiten” entstanden, “aus dem sich Karrierechancen, aber auch Verpflichtungen ableiten lassen”. Es sei ein “Spitzelsystem” vorhanden, “das davon lebt, dass Redakteure den Parteien Senderinterna zutragen”.
Klar, dass sich der ZDF-Intendant dagegen wehrt. Wenn es tatsächlich ein solches System gibt, müsse es belegen – und wenn er wie Brender in den vergangenen zehn Jahren in der Verantwortung stehe, abstellen, sagte Markus Schächter. Recht hat er schon, nur: Ist das denn überhaupt so ohne Weiteres nötig. Vielleicht sollte sich Schächter auch einfach nur noch einmal durchlesen, was Brender gesagt hat, denn auch zu diesem Punkt äußerte sich der Chefredakteur. Er selbst habe nämlich “versucht, solche Spione wenigstens von Posten mit echter Verantwortung fernzuhalten”.
Seinen Abschied konnte er dennoch nicht verhindern.
Mein Name ist Alexander Krei. Ich schreibe für das Medienmagazin DWDL.de. Doch nicht nur Fernsehen interessiert mich - ich studiere unter anderem Deutsch und Politik. Einen kleinen Einblick soll dieser Blog bieten.